Dominanzhierarchie

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Als Dominanzhierarchie (engl. dominance hierarchy) bezeichnet man die Rangfolge von unterschiedlichen Arten oder Individuen beim Zugriff auf verschiedene Ressourcen, z. B. Nahrung. Untergeordnete gewähren dominanteren Arten den Zugriff, ohne dass es dabei zu einer kämpferischen Auseinandersetzung kommt; dominante Arten tolerieren die Anwesenheit von untergeordneten Arten, solange diese nicht "unangenehm" auffallen. Es kann dabei auch zu Kommentkämpfen kommen, bei denen ein gegenseitiges Kräftemessen und Abwiegen der Gegnerstärke ohne beschädigende Kampfhandlungen erfolgt.

Rangordnungen können auf unterschiedlichen Ebenen eine Rolle spielen:

  • zwischen Individuen unterschiedlicher Arten
  • zwischen Individuen verschiedener Kolonien; bei ausgeprägt aggressiven Arten kommt es an dieser Stelle schnell zu Auseinandersetzungen, da in dem koloniefremden Artgenossen ein Konkurrent erkannt wird
  • zwischen Individuen einer Kolonie

zwischenartliche Dominanz und Hierarchie[Bearbeiten]

In einem Lebensraum nutzen verschiedene Ameisenarten teilweise die gleichen ergiebigen Nahrungsquellen - Honigtau sei hier als prominentes Beispiel genannt. Dabei werden solche Ressourcen manchmal bitter gegen Nahrungskonkurrenz verteidigt, an anderer Stelle aber werden Mitnutzer toleriert.

Der Grund für dieses Verhalten wird in einer Kostenersparnis auf beiden Seiten gesehen: Sowohl die dominante als auch die untergeordnete Art sparen sich die Ressourcen für eine Auseinandersetzung.

Die Einordnung als untergeordnete oder dominante Art ist keinesfalls als feste Größe anzusehen; je nach ökologischer Potenz einer Art können schon kleinräumige Veränderungen Arten einen bedeutenden Vorteil verschaffen, der ihnen lokal oder in größeren Gebieten zur Dominanz verhilft. So ist von Lasius emarginatus bekannt, dass diese Art im ostdeutschen Raum südlich von 51 °N die Stellung der sonst weit verbreiteten Lasius niger einnimmt.[1]

Beispiel Mitteleuropa[Bearbeiten]

Ein Beispiel einer Hierarchie wie man sie an vielen Stellen eines mitteleuropäischen, städtischen Lebensraums antreffen wird:

  1. Lasius sp., z. B. niger
  2. Myrmica sp., z. B. rubra und Serviformica-Arten
  3. kleine, individuenarme Leptothorax- und Temnothorax-Kolonien

Hier sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Lasius (niger) keinesfalls immer die dominante Art sein muss; wegen des komplexen Beziehungsgefüges zwischen belebter und unbelebter Umwelt lassen sich keine allgemeinen Schlüsse ziehen. An Orten an denen Waldameisen - in diesem Beispiel Formica truncorum - vorkommen oder angesiedelt werden, können diese die Dominanz von Lasius niger verringern und im Zuge dessen auch die Koloniezahl anderer Arten - hier Lasius flavus und Leptothorax - fördern.[2]

Hierarchien innerhalb von Kolonien[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Nico Blüthgen: How availability and quality of nectar and honeydew shape an Australian rainforest ant community; Dissertation 2003

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ^ a b Bernhard Seifert: Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas. lutra Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Görlitz/Tauer 2007, ISBN 978-3-936412-03-1.
  2. ^ R. Rosengren 1986: Competition and coexistence in an insular ant community - a manipulation experiment (Hymenoptera, Formicidae); Ann. Zool. Fennici 23:297-302
  3. ^ Christian Peeters & Bert Hölldobler 1995: Reproductive Cooperation Between Queens and Their Mated Workers: The Complex Life History of an ant With a Valuable Nest; PNAS 92, No. 24, 10977-10979