Kampfverhalten von Ameisen

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Harpegnathos saltator-Arbeiterin (unten) im Kampf mit einer Königin (oben)

Alle Ameisen haben Möglichkeiten, sich zu verteidigen oder auch Angriffe auf Beute und auf andere Ameisen zu starten.

Stachel und Alternativen[Bearbeiten]

Ursprünglich hatten Ameisen einen Wehrstachel mit einer Giftdrüse und weiteren, zugeordneten Drüsen verschiedener Funktion. Der Stachel ist im Prinzip wie bei Wespen und Bienen aufgebaut.

Solche Stachelapparate finden sich in den ursprünglicheren Unterfamilien wie Myrmeciinae und Ponerinae, aber auch bei den höher entwickelten Myrmicinae.

In einigen Unterfamilien, so den Dolichoderinae und Formicinae, wurde der Wehrstachel bis auf funktionslose Reste - oder völlig - reduziert. Die Giftsekrete aus den Gift- oder auch anderen Drüsen werden dann verspritzt (Formicinae, s. Acidoporus) oder auf Gegner aufgetupft bzw. aufgeschmiert. Bei einigen Arten genügt bereits der Geruch der Drüsensekrete um die Gegner zur Flucht zu veranlassen.

Aber auch in Gruppen mit prinzipiell funktionsfähigem Wehrstachel kann dieser in einigen Gattungen reduziert sein. Die Angriffs-/Verteidigungsfunktion wird dann von entsprechend mächtigen Mandibeln übernommen, oder es werden wiederum für die Gegner giftige oder unangenehme Drüsensekrete eingesetzt.

  • Myrmicinae mit reduziertem Stechapparat sind die Blattschneider-Gattungen Atta und Acromyrmex, sowie die Gattungen Aphaenogaster, Crematogaster, Messor und Pheidole.
    • Messor: Seit A. Forel 1912 ist bekannt, dass in der Gattung Messor der Stachelapparat "mehr oder weniger reduziert" ist. Natürlich wurden nicht alle Arten untersucht. Das gilt aber auch für die Attini, Pheidole, Aphaenogaster und Crematogaster-Arten.

Manche Arten aus diesen Gattungen verteidigen sich mit übel riechenden Sekreten; eine seinerzeit noch unbestimmte Messor-Art aus dem Mittelmeergebiet benutzt ihren stinkenden Kot zur Verteidigung.[1]

Im Zweifelsfall sollte man den Händler/Anbieter von Messor-Arten befragen. Er sollte sich informiert haben, ob seine Ameisen stechen oder sich mit unangenehmen Sekreten wehren.

Mandibel[Bearbeiten]

Atta, Acromyrmex und Pheidole nutzen im Wesentlichen die Beißkraft der Mandibeln zum Kämpfen. Bei den Attini sind dafür besonders die großen Arbeiterinnen zuständig, bei Pheidole die Soldaten.

Einige Arten setzen im Kampf ihre Mandibel besonders effektiv ein. So etwa Camponotus ligniperdus, die aus ihrer Ausgangsposition kurz nach vorne ruckt, mit den Mandibeln zu beisst und anschliessend sofort wieder auf Abstand geht. Mit ihren scharfen Mandibeln können grosse Majore ihren Gegnerinnen mit einzelnen Schnitten mühelos Gliedmassen abtrennen.

Weiter existieren bei manchen obligatorischen Sklavenjägern evolutionäre Anpassung: Ihre Mandibeln sind zu effektiven Kampfwerkzeuge umgebildet. Harpagoxenus sublaevis etwa verfügt über scherenartige, nicht gezähnten Mandibeln. Bei Polyergus rufescens sind sie zum Beispiel sichelförmig und mit scharfer, fein gezähnter Schneidkante versehen. Damit können die Ameisen etwa die Kopfkapsel ihrer Gegnerinnen ohne weiteres durchdringen.

Strecken[Bearbeiten]

vier Arbeiterinnen von Lasius s. str. beim Strecken eines Eindringlings

Das Strecken koloniefremder Ameisen ist eine für die Aggressoren risikoarme Möglichkeit zum Festsetzen und anschließenden Töten einzelner Tiere. So können auch von kleineren Arten deutlich größere Gegner (Camponotus herculeanus von Lasius-Arten z. B.) überwältigt werden, aber auch beim Beutefang ist dieses Verhalten zu beobachten, beispielsweise bei großen Fliegen.






Auch beim Sklavenraubzug, z. B. von Harpagoxenus sublaevis, können die Verteidigerinnen des überfallenen Volkes, hier der Sklavenart Leptothorax acervorum, durch Strecken der Angreifer wehren. Die Mittel- und Hinterbeine der Arbeiterinnen zeigen heftiges Ziehen an. Die gefährlichen Mandibeln der Harpagoxenus-Angreiferin sind wirkungslos. HS-Rz-Strecken.jpg

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ^ Buschinger, A., Maschwitz, U, 1984: Defensive behaviour and defensive mechanisms in ants. In: Defensive Mechanisms in Social Insects. Ed. H.R. Hermann, Praeger Publishers, xii + 259 pp./ Hier auf S. 118.

Weblinks[Bearbeiten]