Wachsmotten

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Die Bezeichnung Wachsmotte ist ein Sammelbegriff für mehrere Falter-Arten aus der Familie der (echten) Zünsler (Pyralidae) und gehören somit zur Ordnung der Schmetterlinge (Lepidoptera). Die Wachsmotten haben sich eng an die Stechimmen wie Bienen und Hummeln angepasst und ernähren sich von deren Abfällen und Waben. Da bei einem Befall mit Wachsmotten auch gesunde Brut der Stechimmen gefressen/geschädigt wird, gelten die Wachsmotten in der Imkerei als Schädlinge.

In Mitteleuropa sind 8 Arten dem Sammelbegriff „Wachsmotte“ zugeordnet, die bekanntesten und gleichzeitig zu Zucht tauglichen Arten sind zwei Vertreter, die große Wachsmotte (Galleria mellonella) und die kleine Wachsmotte (Achroea grisella).
Eine Beschreibung der Arten findest Du unter den verlinkten, lateinischen Namen.

Da die beiden zur Zucht geeigneten Arten im Verhalten sehr ähnlich sind und unter gleichen Bedingungen gezüchtet werden können, haben wir die Zuchtanleitung und Hinweise hier zusammengestellt.

Vor allem in Hinblick auf den heimischen Hummel-Bestand sollte auf Zucht oder Haltung der     
Wachsmotte Aphomia sociella verzichtet werden. Grundlegend ist aber mit allen Wachsmotten 
verantwortungsvoll umzugehen, um die heimische Bienen- und Hummel-Population nicht weiter zu 
dezimieren/gefährden..

Zucht[Bearbeiten]

Die Zucht der Wachsmotten ist recht produktiv, doch mit Aufwand und Kosten verbunden. Vor allem sind sämtliche Behälter peinlichst trocken und sauber zu halten, die Motten reagieren sehr empfindlich auf Schimmel und sind Milbenanfällig.

Für eine kleinere Zucht reicht ein flacher 5L-Behälter, der mit einer 2 cm dicken Platte aus Futter und etwas Wellpappe bestückt wird. Als Zuchtansatz reichen 20-30 Motten, Larven oder Puppen.

Für eine gleichmäßige Versorgung mit frischen Larven/Motten sind mehrere Zuchten etwa 2 Wochen zeitversetzt zu betreiben, wobei für den Ameisenhalter 1 Zucht in den meisten Fällen mehr als ausreichend ist.

Behälter[Bearbeiten]

Für die Zucht- und auch Aufbewahrungsbehälter sollten nur dicke Kunststoff- oder besser Glasbehälter genutzt werden. Die Larven und Motten haben ein kräftiges „Gebiss“ und können sich durch dünnen Kunststoff und Holz fressen. Siehe auch „Warnungen“!

Alle Behälter müssen mit einem feinen Gaze oder Gitter abgedeckt werden, da die Motten empfindlich auf Feuchte oder gar Kondenswasser reagieren. Hier ist ein Gitter/Gaze aus Metall zu wählen, Kunststoff wird schnell zernagt und die Tiere verbreiten sich in der Wohnung. Zusätzlich zur Abdeckung sollten 1-2 Lüftungslöcher angebracht werden, um den Luftaustausch zu verbessern.

Eine besondere Einrichtung benötigen die Motten nicht, hier reichen Futterbrei und einige Pappröllchen oder Eierkartons. Wer Kontakte zu einem Imker hat, kann natürlich auch alte (ungeschwefelte!) Bienenwaben einsetzen.

Der Behälter sollte mit 3-10 Litern nicht zu klein gewählt werden, da die Tiere etwas Raum zur Paarung/zum Umherfliegen benötigen.

Futter[Bearbeiten]

Rezept 1, weiterentwickelt aus dem klassischen Haydak-Medium.
Diese neuere Futtermischung hat sich durch gute Enwicklungszeiten und stabile Reproduktion bewährt.

  • 500g flüssigem Honig
  • 500g Glyzerin
  • 200g Bierhefe
  • 200g Magermilchpulver,
  • 1500g Weizenkleie
  • 500g Haferflocken.

Aus den Zutaten wird eine zäher, fester Futterteig geknetet, der portioniert eingefroren werden kann. Am Besten wird aus dem festen Teig eine dicke Rolle geformt und in jeweils ca 2–4 cm dicke Scheiben geschnitten... so erhält man gleich die zur Verfütterung geeignete Form der Portionen.

Je nach Bedarf dann zur Fütterung dem Froster entnehmen, auf 25°C erwärmen und in die Zuchtbehälter geben. Die oben beschriebenen Scheiben von 4–5 cm dicke werden von den Larven fast umgehend bevölkert und gefressen.

Temperatur[Bearbeiten]

Dem Klima der Zucht kommt bei Wachsmotten eine große Bedeutung zu, sind sie doch auf die gleichmäßigen Bedingungen innerhalb eines Bienenstockes angepasst.

Die beste Entwicklung findet bei 26 - max. 30°C statt. Zu beachten ist: bei einer größeren Menge an Larven kann durch selbst produzierte Wärme die Temperatur bis zu 5°C ansteigen und so zur Austrocknung der Brut führen!

Entwicklungszeit[Bearbeiten]

Die Entwicklungszeit von Ei zu Ei beträgt bei 27-29°C etwa 8 Wochen. Die Entwicklungsdauer lässt sich bei einer Temperatur um 22-24°C um ca 10-14 Tage verlängern. Eine genauere Beschreibung der Entwicklungszeiten findet sich in den beiden Artbeschreibungen, Link siehe oben.

Verfütterung[Bearbeiten]

Verfüttert werden können die Larven, Puppen und adulten Tiere der Wachsmotten. Besonders Larven und Motten sind lebend verfüttert ein echter Leckerbissen für viele Ameisenarten.


Vor- und Nachteile[Bearbeiten]

Die Zucht der Wachsmotten ist relativ einfach, geruchsfrei, geräuscharm, ertragreich und mit geringem Arbeitsaufwand verbunden. Durch die erhöhten Temperaturansprüche und das notwendige Futter gestaltet sich die Zucht jedoch erheblich teuer als zB die des Mehlkäfers Tenebrio molitor, dafür findet die Wachsmotte in allen Stadien (je nach Ameisenart) reißenden Absatz unter den Ameisen. Alternativen zu den Motten (und kleiner) sind die Taufliegen Drosophila und die flugunfähigen "Stubenfliegen" TerFly

Warnungen[Bearbeiten]

Die gesamte Zucht und Handhabung mit Wachsmotten ist umsichtig zu führen. Die Larven und Motten der Wachsmotten haben ungewöhnlich kräftige Mundwerkzeuge und versuchen instinktiv, sich kleine Höhlen oder Gänge zu nagen. Entkommen Larven oder Motten in die Wohnung, fallen ihnen Polstermöbel, Bücher oder Weichholzmöbel zum Opfer, in die sie ihre Höhlen zu graben versuchen (und es leider fast immer schaffen)!

Die Larven sollten nur in höheren Schälchen/Näpfen verfüttert werden, wenn sie ohne Aufsicht und lebend ins Becken gegeben werden. Den gefräßigen Ameisen „entwischte“ Larven können auch in einem Terrarium/Formicarium netten Schaden anrichten.

Weitere Futtermischungen[Bearbeiten]

Der Vollständigkeit halber seien hier noch andere bekannte Rezepte zur Ernährung aufgeführt. Alle Rezepte werden geknetet und in Scheiben geschnitten, wie bereits oben unter „Nahrung“ aufgeführt.

Das Haydak-Medium, aus dem Rezept 1 entwickelt wurde:

  • 600 g Mehl
  • 200 g Magermilchpulver
  • 200 g Weizenkleie
  • 100 g Trockenhefe
  • 550 g Honig
  • 550 g Glyzerin

Rezept 2:

  • 200 g reines Bienenwachs in ca
  • 800 g Glyzerin schmelzen
  • 900 g Bienenhonig hinzufügen und mit
  • 1300 g (Vollkorn-)Mehl verkneten. Nach dem Abkühlen
  • 400 g Hefeflocken darunterkneten

Rezept 3:

  • 700 g Honig
  • 500 g Glyzerin
  • 200 g Bierhefe
  • 200 g Weizenkeime
  • 200 g Magermilchpulver
  • 200 g Vitamin- + Mineralienpräparat (optional)
  • 1500 g Weizenkleie
  • 500 g Haferflocken


Die einfache Zucht[Bearbeiten]

Anstatt Wachsmotten auf diese aufwendige Art und Weise zu züchten, kann man auch wie folgt vorgehen: Zunächst erwirbt man bei einem Imker für wenige Euro einige alte bereits bebrütete Waben. Dafür baut man ein entsprechendes Behältnis was keiner Zugluft oder ähnlichem ausgesetzt ist. Die Waben im Behältnis lässt man einige Tage unter freiem Himmel stehen und bald werden sich Wachsmotten einnisten. Diese finden ihr Futter bereits in den Waben und müssen bei Zeiten nur noch entnommen werden.