Unseriöse Angebote: Unterschied zwischen den Versionen

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  Dieser Artikel befasst sich mit Fallen und Unseriosität, auf die man beim Kauf für die Ameisenhaltung relevanter Produkte achten sollte.
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  Namentliche Erwähnungen sowie Links zu einzelnen Anbietern oder deren Foren dienen lediglich als Beispiel, und stellen Einzelfälle dar.
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'''Unseriöse Angebote'''
 
'''Unseriöse Angebote'''

Version vom 21. Februar 2009, 13:01 Uhr

Dieser Artikel befasst sich mit Fallen und Unseriosität, 
auf die man beim Kauf für die Ameisenhaltung relevanter Produkte achten sollte.
Namentliche Erwähnungen sowie Links zu einzelnen Anbietern oder deren Foren dienen 
lediglich als Beispiel, und stellen Einzelfälle dar.

Unseriöse Angebote

Es muss angesprochen werden, in einem Wiki, das sich hauptsächlich an Ameisenhalter und anderweitig an Ameisen Interessierte wendet: Vorsicht ist geboten bei manchen Angeboten von Ameisen, von Zubehör, auch von Literatur!

Die Ameisenhaltung mit Handel über das Internet fing etwa 1999/2000 an. Nachdem sich der erste Händler in 2000 etabliert hatte, begannen Haltung und Handel zu boomen. Zeitweilig hatte man den Eindruck, als sei eine Art Goldfieber ausgebrochen. Die Aussicht auf einen schnellen Euro verführt offenkundig immer wieder Privatanbieter und auch Händler dazu, höchst fragwürdige, ja eindeutig unseriöse Geschäfte vorzuschlagen. Das Nachsehen haben die Käufer, die teilweise enorm hohe Summen für eine Königin einer exotischen Art zahlen, deren erfolgreiche Begattung nicht eindeutig feststeht. Man sieht so etwas nicht auf den ersten Blick, und wenn eine möglicherweise unbegattete Königin dann keine Kolonie gründet oder sogar stirbt, werden unter Umständen sogar „Haltungsfehler“ unterstellt.

Aus der Erinnerung an Vorgänge, die zum Teil noch in den Ameisenforen nachzulesen sind, aber auch mit Bezug auf allgemeine Angebote, sollen hier einige „Warnschilder“ aufgestellt werden.

- Falsch bestimmte Arten: Wenn ein Händler oder Privatverkäufer einen lateinischen Artnamen angibt (Bsp.: Tetramorium caespitum), so macht er damit eine wissenschaftlich nachprüfbare Angabe. Ist der Name falsch, dann kann sich der Anbieter auch nicht mit Bemerkungen wie „nach bestem Wissen und Gewissen“ herausreden:

Dann ist sein „bestes Wissen“ halt einfach nicht gut genug, und sein „bestes Gewissen“ ist so weit, dass ihm eine solche objektiv falsche Angabe einfach gleichgültig ist.

Ein zufälliges Beispiel hier: "Was ist daran verwerflich? Aber selbst meine faire Aussage "dass ich Informationen nach bestem Wissen und Gewissen gebe" ist in Ihren Augen schon Anlass zu einer Kritik." (Zitat)

Im Falle von Tetramorium caespitum oder T. impurum wäre die beste Annäherung an einen wiss. korrekten Namen „eine Art aus dem Tetramorium caespitum/impurum-Komplex“. Wenn das dem Anbieter zu „wissenschaftlich“ ist, sollte er den deutschen Namen „Rasenameise“ verwenden und in der Artbeschreibung sagen: Eine Art aus einer Gruppe schwer unterscheidbarer Ameisen der Gattung Tetramorium“. Der Kunde weiß dann halt nur, dass er einen „Apfel“ gekauft hat, nicht, ob es ein Gravensteiner oder Jona Gold oder sonstwas ist.

Wenn mit falschen oder unsicheren Artnamen Geschäfte mit wissenschaftlichen Institutionen, Forschungsinstituten usw. gemacht werden, wie von Händlern behauptet, so kann dies sehr zum Schaden der Forscher gereichen, falls diese sich blindlings auf die angegebenen Namen verlassen. Ein solcher "Forscher" hat das dann aber auch nicht besser verdient.

- Unbekannte Herkunft: Sie wird von den Händlern in der Regel verschleiert oder so ungenau angegeben („Mittelmeergebiet“, „Orient“, „Australien“, „Südamerika“ usw.), dass alles Googeln nichts über die Klimabedingungen im normalen Lebensbereich der Tiere liefern kann. Hier ist generell angebracht den Händler per Mail zu kontaktieren um die genauere Herkunft zu erfragen.

- Falsche Informationen über Schwierigkeiten und Gefahren der Haltung („Haltungsklassen“, „Gefahrenklassen“, die oft willkürlich formuliert erscheinen). Ein erschreckendes Beispiel aus jüngerer Zeit ist die aus Indonesien massenhaft importierte Polyrhachis dives. Auch dazu empfiehlt es sich, gründlich in den Foren zu lesen. Ein Halter hat seine Kolonie entsorgt, weil er die daraus aufsteigenden Dämpfe nicht mehr ertragen konnte.

- Fehlende Haltungserfahrungen: Händler bieten frisch im Herkunftsland eingesammelte oder von dort importierte Arten an („Neuheiten“), über die meist keinerlei Haltungserfahrungen vorliegen, gar nicht vorliegen können. Der ahnungslose Käufer wird zum „Versuchskaninchen“ für den Händler, der dann aus den Foren teilweise entnehmen kann, ob und wie seine Kunden damit zurechtkommen. Unerfahrene Halter sollten auf keinen Fall so ein Angebot wahrnehmen. Nichtsdestotrotz wird den großen Händlern hier eine relativ kulante Verfahrensweise bei Problemen nachgesagt.

Qualitätsklassen: Ein Ameisenshop bieten aus unbekannten Quellen stammende Königinnen und Kolonien als Qualitätsklasse 2 an, wobei es sich nach eigenen Angaben bei 40% der Königinnen um unbegattete Königinnen handeln kann, da diese nicht kontrolliert wurden und sofort nach Erhalt in den Verkauf gehen. (Derartige Angebote sind nicht zu empfehlen!)

- Überflüssiges, unsinniges oder gar schädliches „Zubehör“ wird massenhaft angeboten und gekauft. Man lese in den Foren; eine Auflistung hier würde zu umfangreich. Noch immer werden z. B. „Gelfarmen“, „Antswork“ und ähnliche für die Ameisenhaltung ungeeignete Einrichtungen verkauft.

Das AmeisenWiki enthält viele kritische Hinweise zu Futtermischungen, Bodenmischungen, Vitaminzugaben und sonstigen Angeboten, vgl. Haltung, Formikarien, Nahrung usw...

- Unbestimmte Arten: (meistens als „Gattung spec.“ angeboten), falsch bestimmte Arten, falsch bestimmte Gattungen: NUR mit dem richtigen und vollständigen wissenschaftlichen Namen kann man über Suchmaschinen (Google etc.) hilfreiche Hinweise zur Lebensweise der Art erfahren. Diese sind selbstverständlich wichtig für eine erfolgreiche Haltung (auch wenn diese gelegentlich mit Glück zufällig gelingen mag). Englischkenntnisse sind sehr hilfreich, um über exotische Arten etwas zu erfahren. Die Händler machen sich diesen Weg der Informationsgewinnung leider nur sehr selten zunutze.

- Vorsicht vor Betrügern: Wie prinzipiell bei allen Internetgeschäften sollte man auch beim Handel mit Ameisen Vorsicht walten lassen und den Verstand gebrauchen. Erscheint ein Angebot zu gut um wahr zu sein, ist dem auch meist so. Besonders bei ausländischen Händlern oder welchen die vorgeben in Deutschland zu sein aber auf ausländische Konten das Geld überwiesen haben wollen ist absolute Vorsicht geboten. Falls möglich benutzt zur Bezahlung Dienste wie Paypal wo ihr einfach euer Geld wieder zurückfordern könnt. Auch Bankkonto-Überweisungen sind rückgängig zu machen, allerdings nur eine kurze Zeit lang. Also ist empfohlen, sich nicht zu lange hinhalten zu lassen falls etwas nicht funktioniert. Seriöse Verkäufer sind meist in der Ameisenszene durch Foren etc. bekannt und haben einen Ruf zu verlieren. Hier könnt ihr meist davon ausgehen dass sie nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Allerdings gab es, wie in den Foren zu sehen ist, auch hier schon Ausnahmen. Generell also den Verstand gebrauchen und nicht die Gier bestimmen lassen! Der Onlinehandel mit Insekten ist in Deutschland nicht umfassend geregelt. Man hat hier rechtlich nicht gerade die besten Karten. Falls man eine falsche Art bekommt z. B. hat man gar nichts in der Hand. Bei gar keiner Sendung wäre der Vertragspartner wiederum angreifbar.

- Literatur: Wird von manchen Händlern angeboten. Neben ein paar sinnvollen Büchern finden sich oft haarsträubende Empfehlungen. Hier im AmeisenWiki wurde bereits im Oktober 2005 ein Hinweis gegeben:

Bei der Durchsicht der kürzlich erschienenen Neuauflage von Dieter Otto „Die Roten Waldameisen“ bemerkte ich, dass es in derselben Reihe „Die Neue Brehm-Bücherei“, Westarp Wissenschaften Verlags-GmbH, ein weiteres scheinbar neues Buch über Ameisen gibt: „Ameisen“, von Prof. Dr. Otto Scheerpeltz, 2003 (sic!). Ich bestellte das Werk. Was ich erhielt, grenzt schlicht gesagt an Betrug: Zweite, unveränderte Neuauflage; Nachdruck der 1. Auflage von 1951, sage und schreibe 32 Seiten, 17 ziemlich nichts sagende Fotos in einer Qualität wie von einem schlechten Trockenkopierer. Inhaltlich kaum über einen Schüleraufsatz hinausgehend war es schon zu seiner Zeit, 1951, eine sehr schwache Leistung. Auf der letzten, der 37., Seite die abschließende Erkenntnis über Ameisen: „Sie sind Wesen, die ganz primitive Eigenschaften besitzen, …“ – Das trifft uneingeschränkt eher auf dieses Büchlein zu, das man besser einstampfen sollte als es noch heute anzubieten, zumal für stolze € 17,45. Genau dieses armselige Heftchen wird jetzt (2.3.07) immer noch bei zwei der Ameisenshops angeboten!

Ein zweites Beispiel, ebenfalls aus einem Shop:

Chemoecology of Insect Eggs and Egg Disposition, Herausgegeben von Monika Hilker und Torsten Meiners: 109,99 EUR inkl. 7 % UST zzgl. Versandkosten, 416 Seiten in englischer Sprache mit 46 Abbildungen und 17 Tabellen

„Für den fortgeschrittenen Ameisenhalter eine besondere Lektüre sich Weiterzubilden und sein Verständnis über die Biologie seiner Pfleglinge zu erweitern. Die Feldforschung der chemischen Ökologie beruht überwiegend auf Beobachtungen der Larven- und Adult-Stadien, wogegen Ei-Stadien meist nicht berücksichtigt wurden. Als unbewegliches Stadium sind Insekteneier wesentlich anfälliger und biotischen und abiotischen Risiken ausgesetzt, wie z.B. Räuber, Parasiten, pathogene Infektionen und Pflanzenabwehr.“ …und so weiter.

Von den 13 Kapiteln befasst sich nur ein einziges mit Sozialen Insekten (also nicht mal nur mit Ameisen!). Es ist zweifellos ein wichtiges und informatives Buch für Insektenforscher. Für Ameisenhalter ist es sozusagen „das Hinterletzte“! Das Buch ist im Übrigen von 2002 und kostet 20 Euro weniger bei buch.de, Versand frei!

Ein anderer Ameisenshop bietet an:

Buch: Hautflügler Mitteleuropas 19,95 € * Verlag: Kosmos (Franckh-Kosmos) Auflage: 2., Aufl. Autor: Kosmos (Franckh-Kosmos) Seiten: 336, Erscheinungsjahr: August 2005

Das ist durchaus ein seriöses Angebot. Störend ist nur, dass als „Autor“ (= Verfasser, = die Person, die das Buch geschrieben hat) der Verlag (!) angegeben wird. Der Autor, hier Heiko Bellmann, bürgt in jedem Fall für Qualität, sein Name ist eine der wichtigsten Informationen für einen Kaufentscheid! – Was man bei manchem der anderen angebotenen Bücher nicht unbedingt so sagen kann.

Hölldobler & Wilson 2001: Ameisen, die Entdeckung einer faszinierenden Welt. Piper Taschenbuch. Vergriffen, bei einem großen Internet-Versender gebraucht, € 108,-

Sehr hoher Preis. Hier sollte man etwas warten. Das Erscheinen einer Neuauflage ist nicht unwahrscheinlich.

Seifert, B. 1996/ 2001: Ameisen beobachten, bestimmen. Vergriffen, bei einem großen Internet-Versender gebraucht, € 190,-

Das in geringer Auflage gedruckte Buch ist in der Tat selten. Aber inzwischen ist das Werk in erweiterter und aktualisierter Form erschienen: Seifert, B. 2007: Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas. April 2007, 368 Seiten, 227 Farbfotos, 303 sw-Zeichnungen, Format: Din A5 Hardcover, Lutra Verlags- und Vertriebsges. Görlitz, € 39,- Diese neue Auflage enthält alle Informationen, die auch in dem Buch von 1996 zu finden sind, dazu einige mehr, und es ist aktuell. Wer sich also über deutsche und nordeuropäische Ameisen informieren will, kauft dieses Buch. Die Auflage 1996 ist vielleicht für Freunde antiquarischer Bücher interessant. Für den normalen Ameisenfreund und auch für Wissenschaftler ist es maßlos überteuert; der Band von 2007 ist die mit Abstand bessere Wahl.


Weitere Beispiele wären zu finden. Dieser Beitrag soll Ameisenkäufern und Ameisenhaltern etwas die Augen öffnen, damit vielleicht doch die eine oder andere Enttäuschung vermieden werden kann.

Es wäre wünschenswert, wenn hier weitere unseriöse Angebote eingetragen werden könnten. Jeder (potentielle) Kunde kann profitieren! (Und die Anbieter, indem sie seriöse Angebote machen.)