Harpagoxenus sublaevis: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Harpagoxenus sublaevis''' gehört zur Unterfamilie der [[Myrmicinae]] und zur Gattung [[Harpagoxenus]]. Die Arbeiterinnen sind 3,5-5,4mm, die Königinnen: 4,7-5,7mm und die Männchen: 3,7-4,5mm groß. H. sublaevis ist braun; die vordere Kopffläche ist in der Mitte meist dunkler.  
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'''Harpagoxenus sublaevis''' gehört zur Unterfamilie der [[Myrmicinae]] und zur Gattung [[Harpagoxenus]]. Die Arbeiterinnen sind 3,5-5,4mm, die Königinnen: 4,7-5,7mm und die Männchen: 3,7-4,5mm groß. H. sublaevis ist braun; die vordere Kopffläche ist in der Mitte meist dunkler. Diese Art besitzt lange, bräunlichgelbe Borsten auf allen Körperteilen.
  
 
Harpagoxenus sublaevis lebt in Mittel- und Nordeuropa und nistet in trockenen Ästchen oder Borkenstücken auf dem Boden (selten im Gebirge auch in Felsspalten). Diese Art bevorzugt warme und trockene Gebiete. Sie hält [[Winterruhe]] von Oktober bis März. Geschlechtstiere sind im Freiland von Juni-August zu sehen, es findet aber kein richtiger [[Schwarmflug]] statt.
 
Harpagoxenus sublaevis lebt in Mittel- und Nordeuropa und nistet in trockenen Ästchen oder Borkenstücken auf dem Boden (selten im Gebirge auch in Felsspalten). Diese Art bevorzugt warme und trockene Gebiete. Sie hält [[Winterruhe]] von Oktober bis März. Geschlechtstiere sind im Freiland von Juni-August zu sehen, es findet aber kein richtiger [[Schwarmflug]] statt.
  
Diese Art besitzt lange, bräunlichgelbe Borsten auf allen Körperteilen. Diese sehr seltene Art benötigt Hilfameisen, meist [[Leptothorax]]-Arten.  
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Diese sehr seltene Art benötigt Hilfameisen, meist [[Leptothorax]]-Arten. Die Königinnen können keine eigenständige Nestgründung vollziehen; die begattete Königin begibt sich in ein Leptothorax-Nest und tötet oder verstümmelt die fremden Arbeiter sowie die Königin mit ihren scherenartigen, nicht gezähnten Mandibeln. Anschließend zieht sie die fremde Brut auf. Die bald schlüpfenden Hilfsameisen sehen sie als ihre Königin an und kümmern sich um die restliche Hilfsameisenbrut und die Brut der H. sublaevis Königin. Die Hilfameisen übernehmen fast alle Arbeiten: Füttern der H. sublaevis, Nestbau, Brutpflege, etc.
Die Königinnen können keine eigenständige Nestgründung vollziehen; die begattete Königin begibt sich in ein Leptothorax-Nest und tötet oder verstümmelt die fremden Arbeiter sowie die Königin mit ihren scherenartigen, nicht gezähnten Mandibeln. Anschließend zieht sie die fremde Brut auf. Die bald schlüpfenden Hilfsameisen sehen sie als ihre Königin an und kümmern sich um die restliche Hilfsameisenbrut und die Brut der H. sublaevis Königin. Die Hilfameisen übernehmen fast alle Arbeiten: Füttern der H. sublaevis, Nestbau, Brutpflege, etc.
 
  
 
Die große Mehrzahl der Königinnen sind flügellose, der Arbeiterin sehr ähnlich sehende "Intermorphe". Ge- bzw. nach Begattung entflügelte "Normalköniginnen" (= Gynomorphe) sind extrem selten (Die Arbeitsgruppe Buschinger fand unter rund 1.000 im Freiland gesammelten oder kontrollierten Völkern ganze 8 (acht!) mit einer entflügelten Königin. Etwas höher ist der Prozentsatz von Völkern mit intermorpher Königin, unter deren Nachkommen sich sowohl intermorphe als auch gynomorphe Jungweibchen befinden. Der Unterschied ist genetisch bedingt, wie umfangreiche Züchtungs- und Kreuzungsversuche bewiesen haben. In Nordeuropa (Schweden, Finnland) fehlt das Gen für geflügelte Weibchen offenbar ganz, es gibt dort ausschließlich flügellose intermorphe Königinnen.
 
Die große Mehrzahl der Königinnen sind flügellose, der Arbeiterin sehr ähnlich sehende "Intermorphe". Ge- bzw. nach Begattung entflügelte "Normalköniginnen" (= Gynomorphe) sind extrem selten (Die Arbeitsgruppe Buschinger fand unter rund 1.000 im Freiland gesammelten oder kontrollierten Völkern ganze 8 (acht!) mit einer entflügelten Königin. Etwas höher ist der Prozentsatz von Völkern mit intermorpher Königin, unter deren Nachkommen sich sowohl intermorphe als auch gynomorphe Jungweibchen befinden. Der Unterschied ist genetisch bedingt, wie umfangreiche Züchtungs- und Kreuzungsversuche bewiesen haben. In Nordeuropa (Schweden, Finnland) fehlt das Gen für geflügelte Weibchen offenbar ganz, es gibt dort ausschließlich flügellose intermorphe Königinnen.

Version vom 22. Februar 2006, 10:48 Uhr

Harpagoxenus sublaevis gehört zur Unterfamilie der Myrmicinae und zur Gattung Harpagoxenus. Die Arbeiterinnen sind 3,5-5,4mm, die Königinnen: 4,7-5,7mm und die Männchen: 3,7-4,5mm groß. H. sublaevis ist braun; die vordere Kopffläche ist in der Mitte meist dunkler. Diese Art besitzt lange, bräunlichgelbe Borsten auf allen Körperteilen.

Harpagoxenus sublaevis lebt in Mittel- und Nordeuropa und nistet in trockenen Ästchen oder Borkenstücken auf dem Boden (selten im Gebirge auch in Felsspalten). Diese Art bevorzugt warme und trockene Gebiete. Sie hält Winterruhe von Oktober bis März. Geschlechtstiere sind im Freiland von Juni-August zu sehen, es findet aber kein richtiger Schwarmflug statt.

Diese sehr seltene Art benötigt Hilfameisen, meist Leptothorax-Arten. Die Königinnen können keine eigenständige Nestgründung vollziehen; die begattete Königin begibt sich in ein Leptothorax-Nest und tötet oder verstümmelt die fremden Arbeiter sowie die Königin mit ihren scherenartigen, nicht gezähnten Mandibeln. Anschließend zieht sie die fremde Brut auf. Die bald schlüpfenden Hilfsameisen sehen sie als ihre Königin an und kümmern sich um die restliche Hilfsameisenbrut und die Brut der H. sublaevis Königin. Die Hilfameisen übernehmen fast alle Arbeiten: Füttern der H. sublaevis, Nestbau, Brutpflege, etc.

Die große Mehrzahl der Königinnen sind flügellose, der Arbeiterin sehr ähnlich sehende "Intermorphe". Ge- bzw. nach Begattung entflügelte "Normalköniginnen" (= Gynomorphe) sind extrem selten (Die Arbeitsgruppe Buschinger fand unter rund 1.000 im Freiland gesammelten oder kontrollierten Völkern ganze 8 (acht!) mit einer entflügelten Königin. Etwas höher ist der Prozentsatz von Völkern mit intermorpher Königin, unter deren Nachkommen sich sowohl intermorphe als auch gynomorphe Jungweibchen befinden. Der Unterschied ist genetisch bedingt, wie umfangreiche Züchtungs- und Kreuzungsversuche bewiesen haben. In Nordeuropa (Schweden, Finnland) fehlt das Gen für geflügelte Weibchen offenbar ganz, es gibt dort ausschließlich flügellose intermorphe Königinnen.