Camponotus ligniperdus: Unterschied zwischen den Versionen

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===Allgemeines===
 
'''Heimat:''' ganz Deutschland, Mitteleuropa, planar-collin, sonnenexponiert auch montan<br>
 
'''Habitat:''' sonnige Stellen warmer Laub- und Laub-Nadel-Mischwälder, Feldraine, Trocken- und Halbtrockenrasen mit Buschwerk; thermophiler als ''C. herculeanus'': Juli-Temperatur etwa 2,8°K höher (Seifert, 2007)<br>
 
'''Kolonie:''' monogyn, selten oligogyn, bei schwuel-warmem Wetter sehr aggressiv, i.d.R gemächlich, kann aber v.a. bei Störungen sehr schnell werden<br>
 
'''Gründung:''' claustral, auch Pleometrose oder Adoption<br>
 
'''Arbeiterinnen:''' polymorph, Minor bis Media mit Übergängen<br>
 
'''Nestbau:''' Lebend- und bevorzugt Totholz mit großem Erdnest-Teil, ohne Bäume/Holz auch reine Erdnester, auch verbautes Holz, Zaunpfähle, Holzhäuser und -schuppen, Holzbrücken<br>
 
'''Nahrung:''' Trophobiose, Zoophagie, auch Anbeißen von Gehölz-Phloem (Honig und Insekten in der Haltung)<br>
 
'''Winterruhe:''' 5-6 Monate, rein endogener Rhythmus, kein obligatorischer Nestverschluss
 
  
===Aussehen/Färbung===
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Die Braunschwarze Rossameise ''Camponotus ligniperdus'' ist eine der größten Ameisenarten des mitteleuropäischen Raumes.
'''Königin:''' wie Arbeiterinnen, Rotfärbung kann jedoch deutlich dunkler ausfallen<br>
 
'''Männchen:'''<br>
 
'''Minors-Majors:''' hochglänzend; Thorax, teils Femur, Petiolus und Ansatz 1. gastrales Segment rot;  Kopf, Rest Beine und Gaster schwarz<br>
 
Färbung kann schwanken und unterschiedlich stark ausgeprägt sein.
 
  
Nachdem ich gerade junge Königinnen von ''[[Camponotus herculeanus]]'' und ''C. ligniperda'' aus zwei befallenen Häusern zur Bestimmung erhalten habe, stelle ich hier mal ein Vergleichsfoto ein. Die Flügel und Beine der toten Tiere wurden entfernt, damit sie nicht den Blick auf Bestimmungsmerkmale verstellen.
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==Merkmale==
Der rote Bereich vorn an der Gaster ist bei ''C. ligniperda'' (meist) wesentlich größer als bei ''C. herculeanus''. Dass die Gaster bei ''C. ligniperda'' etwas stärker glänzt als bei ''C. herculeanus'', ist schwer zu erkennen.
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Die Arbeiterinnen sind [[polymorph]], es treten Minor- bis Majorarbeiterinnen in allen Übergängen mit einer Größe zwischen 6 und 14&nbsp;mm auf. Die Tiere glänzen stark; [[Thorax]], teils [[Femur]], [[Petiolus]] und der Ansatz des ersten gastralen Segments sind rot, während Kopf, der Rest der Beine und die [[Gaster]] schwarz sind. Die Farbverteilung und -intensität ist unterschiedlich stark ausgeprägt, so dass auch sehr dunkle Tiere auftreten.
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Die Färbung der Königinnen ist wie die der Arbeiterinnen, die Rotfärbung kann jedoch deutlich dunkler ausfallen. Gynen erreichen eine Länge von 16–18&nbsp;mm, Männchen 8 – 12&nbsp;mm.
  
(A. Buschinger, 01. Juni 2007)
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Diese Art kann mit ''[[Camponotus herculeanus]]'' verwechselt werden; in der Gegenüberstellung zeigen sich die Unterschiede deutlich:
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:Nachdem ich gerade junge Königinnen von ''Camponotus herculeanus'' und ''C. ligniperdus'' aus zwei befallenen Häusern zur Bestimmung erhalten habe, stelle ich hier mal ein Vergleichsfoto ein. Die Flügel und Beine der toten Tiere wurden entfernt, damit sie nicht den Blick auf Bestimmungsmerkmale verstellen.
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:Der rote Bereich vorn an der Gaster ist bei ''C. ligniperdus'' (meist) wesentlich größer als bei ''C. herculeanus''. Dass die Gaster bei ''C. ligniperdus'' etwas stärker glänzt als bei ''C. herculeanus'', ist schwer zu erkennen.
  
[[Bild:Camponotus.jpg|200px|Jungköniginnen von C. ligniperda und C. herculeanus]]
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:(A. Buschinger, 01. Juni 2007)
  
===Größe===
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:[[Bild:Camponotus.jpg|200px|Jungköniginnen von C. ligniperdus und C. herculeanus]]
'''Königin:''' 16 - 18mm<br>
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'''Männchen:''' 8 - 12mm<br>
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==Verbreitung==
'''Minors-Majors:''' 6 - 14mm<br>
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''Camponotus ligniperdus'' findet sich in ganz Mitteleuropa inkl. Deutschland. Das Vorkommen erstreckt sich über die Höhenstufen  [[planar]] und [[kollin]]; wenn der Ort sonnenexponiert ist, kommen auch montane Standorte in Frage.
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Ihrer natürlichen Verbreitung gemäß hält ''C. ligniperdus'' 5-6 Monate Winterruhe. Diese wird durch einen rein [[endogen]]en Rhythmus bestimmt, die Ameisen entscheiden also selbst über Beginn und Ende der Diapause. Hierbei wird das Nest nicht unbedingt verschlossen.
===Entwicklung===
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Von der Eiablage bis zur Larve dauert es in Gefangenschaft zwischen 9 und 16 Tagen.
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==Lebensraum==
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Sonnige Stellen warmer Laub- und Laub-Nadel-Mischwälder, Feldraine, Trocken- und Halbtrockenrasen mit Buschwerk werden besiedelt. ''C. ligniperdus'' ist thermophiler als ''C. herculeanus'': Die mittlere Juli-Temperatur ist dort wo diese Art vorkommt 2,8 K höher (Seifert 2007).
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==Ernährung==
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Ein Großteil des [[Nahrung]]sbedarfes wird durch [[Trophobiose]] gedeckt, außerdem werden Tiere erjagt ([[Lexikon:X|Zoophagie]]). Daneben spielt das Anbeißen von Gehölz-Phloem und Auflecken des austretenden Saftes eine untergeordnete Rolle. Im Normalfall werden Nahrungsquellen in 20 – 40 m Entfernung erschlossen (Seifert 2007).
  
Von der Larve bis zur Puppe bei guter Fütterung 10 bis 14 Tage.
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In der Haltung kann diese Art mit Honig und Insekten ernährt werden.
  
Die Puppe braucht zwischen 12 und 24 Tagen bis die Imago schlüpft.
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==Kolonie und Nestanlage==
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Die Kolonien sind [[monogyn]], selten [[oligogyn]]. Bei schwül-warmem Wetter können sie sehr aggressiv sein, in der Regel erfolgt die Fortbewegung aber gemächlich, kann aber, vor allem bei Störungen, sehr schnell werden.
  
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Die Koloniegründung erfolgt [[Claustral#Die_unabh.C3.A4ngige_Koloniegr.C3.BCndung_durch_einzelne_K.C3.B6niginnen_.28claustrale.2Fsemiclaustrale_Gr.C3.BCndung.29|claustral]], unter Umständen auch in [[Pleometrose]]. Die Brutentwicklung von ''C. ligniperdus'' ist verglichen mit anderen mitteleuropäischen Arten langsam. Von der Eiablage bis zur Larve vergehen in Gefangenschaft zwischen 9 und 16 Tagen, von der Larve bis zur Puppe bei guter Fütterung 10 bis 14 Tage. Die Puppe braucht zwischen 12 und 24 Tagen bis die Imago schlüpft.
 
''(Daten zur Entwicklung beruhen auf nicht repräsentativen Beobachtungen in Gefangenschaft --[[Benutzer:Staggy|staggy]], 27. Jul 2007)''
 
''(Daten zur Entwicklung beruhen auf nicht repräsentativen Beobachtungen in Gefangenschaft --[[Benutzer:Staggy|staggy]], 27. Jul 2007)''
  
===Besonderheiten===
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Das Nest wird bevorzugt in Tot-, aber auch in Lebendholz ausgenagt, selten jedoch höher als 3 m. Dazu kommt meistens ein umfangreiches Erdnest, in Lebensräumen ohne geeignete Bäume treten reine Erdnester auf. (Seifert 2007)
''C. ligniperda'' gehört zu den schönsten und reizvollsten Ameisen: Glanz, Färbung und Größe sind sehr eindrucksvoll und lassen die meisten Exoten blass aussehen. Zudem sind gerade durch die Größe Verhaltensmuster wie Brutpflege und Trophallaxis sehr gut zu beobachten.
 
  
''C. ligniperda'' hat den "Mandibel-Kampf" für sich kultiviert und weiß diesen sehr effektiv einzusetzen: Bei Angriffen hält ''C. ligniperda'' etwas Abstand, ruckt kurz nach vorne und beißt mit den Mandibeln zu, geht dann sofort wieder auf Abstand. Zusätzlich zum Mandibel-Kampf kann vor allem bei Beute der Einsatz der Giftdrüse gut beobachtet werden. Die Major-Arbeiterinnen gelten als extrem wehrhaft, eine einzige von ihnen kann mehrere Waldameisen mit wenigen Bissen zerschneiden.
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Im unmittelbaren Umfeld des Menschen werden auch verbautes Holz, Zaunpfähle, Holzhäuser/-schuppen und Holzbrücken besiedelt, weshalb diese Art dort als [[Hausameise]] angesehen wird.
  
===Weitere Bilder===
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''C. ligniperda'' Gyne mit Puppen, Larven, und Eiern:
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Bild:Holzschaden.jpg|Neststruktur in einem Balken
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Bild:Rossameise-stamm.JPG|Nest im Stammansatz einer Fichte nach Sturmschaden
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==Besonderheiten==
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===Größe===
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''C. ligniperdus'' gehört zu den eindrucksvollsten Ameisen Deutschlands. Zudem sind gerade durch die Größe Verhaltensmuster wie [[Brut]]pflege und [[Trophallaxis]] sehr gut zu beobachten.
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===Taxonomie===
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''Camponotus ligniperdus'' wurde als ''Camponotus ligniperda'' bezeichnet, siehe hierzu [[warum Camponotus ligniperda jetzt C. ligniperdus heißt]].
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===Mandibel-Kampf===
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''C. ligniperdus'' hat den "[[Mandibel]]-Kampf" für sich kultiviert und weiß diesen sehr effektiv einzusetzen: Bei Angriffen hält ''C. ligniperdus'' etwas Abstand, ruckt kurz nach vorne und beißt mit den Mandibeln zu, geht dann sofort wieder auf Abstand. Zusätzlich zum Mandibel-Kampf kann vor allem bei Beute der Einsatz der Giftdrüse gut beobachtet werden. Die Major-Arbeiterinnen gelten als extrem wehrhaft, eine einzige von ihnen kann mehrere Waldameisen mit wenigen Bissen zerschneiden.
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===Kommunikation durch Klopfen===
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[[Kommunikation: Klopfen bei Camponotus]]: Die Arbeiterinnen warnen bei Störungen durch hörbares, schnelles Trommeln mit [[Gaster]] oder Mandibeln auf hartem Untergrund
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==Weitere Bilder==
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''C. ligniperdus''-Gyne mit Puppen, Larven, und Eiern:
 
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Bild:Camponotus ligniperda01.jpg
 
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Bild:Camponotus ligniperda02.jpg
 
Bild:Camponotus ligniperda02.jpg
 
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Auf den Unterartikeln dieser Seite finden sich verschiedenste hochauflösende Makro-Fotos eines Halters einer Kolonie Camponotus ligniperdus in einem Terrarium. http://www.dkriesel.com/leisure/camponotus_ligniperdus/
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==Weblinks==
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*[https://www.facebook.com/pages/Camponotus-ligniperdus/566943066651878 Fotobericht einer ''C. ligniperdus''-Kolonie (Facebook.com)]
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==Literatur==
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Bernhard Seifert: Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas. lutra Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Görlitz/Tauer 2007, ISBN 978-3-936412-03-1

Aktuelle Version vom 16. Mai 2016, 18:54 Uhr

Camponotus ligniperdus
Major-Arbeiterin von C. ligniperdusMajor-Arbeiterin von C. ligniperdus
Systematik
Unterfamilie: Formicinae
Gattung: Camponotus
Art: Camponotus ligniperdus
Weitere Informationen
Verbreitung: Ganz Deutschland, Mitteleuropa
Habitat: Sonniger Laub-, und Mischwälder, nicht zu trocken
Gründung: claustral, gelegentlich pleometrotisch
Königinnen: monogyn, selten oligogyn
Wissenschaftlicher Name
Camponotus ligniperdus

(Latreille, 1802)


Die Braunschwarze Rossameise Camponotus ligniperdus ist eine der größten Ameisenarten des mitteleuropäischen Raumes.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Arbeiterinnen sind polymorph, es treten Minor- bis Majorarbeiterinnen in allen Übergängen mit einer Größe zwischen 6 und 14 mm auf. Die Tiere glänzen stark; Thorax, teils Femur, Petiolus und der Ansatz des ersten gastralen Segments sind rot, während Kopf, der Rest der Beine und die Gaster schwarz sind. Die Farbverteilung und -intensität ist unterschiedlich stark ausgeprägt, so dass auch sehr dunkle Tiere auftreten. Die Färbung der Königinnen ist wie die der Arbeiterinnen, die Rotfärbung kann jedoch deutlich dunkler ausfallen. Gynen erreichen eine Länge von 16–18 mm, Männchen 8 – 12 mm.

Diese Art kann mit Camponotus herculeanus verwechselt werden; in der Gegenüberstellung zeigen sich die Unterschiede deutlich:

Nachdem ich gerade junge Königinnen von Camponotus herculeanus und C. ligniperdus aus zwei befallenen Häusern zur Bestimmung erhalten habe, stelle ich hier mal ein Vergleichsfoto ein. Die Flügel und Beine der toten Tiere wurden entfernt, damit sie nicht den Blick auf Bestimmungsmerkmale verstellen.
Der rote Bereich vorn an der Gaster ist bei C. ligniperdus (meist) wesentlich größer als bei C. herculeanus. Dass die Gaster bei C. ligniperdus etwas stärker glänzt als bei C. herculeanus, ist schwer zu erkennen.
(A. Buschinger, 01. Juni 2007)
Jungköniginnen von C. ligniperdus und C. herculeanus

Verbreitung[Bearbeiten]

Camponotus ligniperdus findet sich in ganz Mitteleuropa inkl. Deutschland. Das Vorkommen erstreckt sich über die Höhenstufen planar und kollin; wenn der Ort sonnenexponiert ist, kommen auch montane Standorte in Frage. Ihrer natürlichen Verbreitung gemäß hält C. ligniperdus 5-6 Monate Winterruhe. Diese wird durch einen rein endogenen Rhythmus bestimmt, die Ameisen entscheiden also selbst über Beginn und Ende der Diapause. Hierbei wird das Nest nicht unbedingt verschlossen.

Lebensraum[Bearbeiten]

Sonnige Stellen warmer Laub- und Laub-Nadel-Mischwälder, Feldraine, Trocken- und Halbtrockenrasen mit Buschwerk werden besiedelt. C. ligniperdus ist thermophiler als C. herculeanus: Die mittlere Juli-Temperatur ist dort wo diese Art vorkommt 2,8 K höher (Seifert 2007).

Ernährung[Bearbeiten]

Ein Großteil des Nahrungsbedarfes wird durch Trophobiose gedeckt, außerdem werden Tiere erjagt (Zoophagie). Daneben spielt das Anbeißen von Gehölz-Phloem und Auflecken des austretenden Saftes eine untergeordnete Rolle. Im Normalfall werden Nahrungsquellen in 20 – 40 m Entfernung erschlossen (Seifert 2007).

In der Haltung kann diese Art mit Honig und Insekten ernährt werden.

Kolonie und Nestanlage[Bearbeiten]

Die Kolonien sind monogyn, selten oligogyn. Bei schwül-warmem Wetter können sie sehr aggressiv sein, in der Regel erfolgt die Fortbewegung aber gemächlich, kann aber, vor allem bei Störungen, sehr schnell werden.

Die Koloniegründung erfolgt claustral, unter Umständen auch in Pleometrose. Die Brutentwicklung von C. ligniperdus ist verglichen mit anderen mitteleuropäischen Arten langsam. Von der Eiablage bis zur Larve vergehen in Gefangenschaft zwischen 9 und 16 Tagen, von der Larve bis zur Puppe bei guter Fütterung 10 bis 14 Tage. Die Puppe braucht zwischen 12 und 24 Tagen bis die Imago schlüpft. (Daten zur Entwicklung beruhen auf nicht repräsentativen Beobachtungen in Gefangenschaft --staggy, 27. Jul 2007)

Das Nest wird bevorzugt in Tot-, aber auch in Lebendholz ausgenagt, selten jedoch höher als 3 m. Dazu kommt meistens ein umfangreiches Erdnest, in Lebensräumen ohne geeignete Bäume treten reine Erdnester auf. (Seifert 2007)

Im unmittelbaren Umfeld des Menschen werden auch verbautes Holz, Zaunpfähle, Holzhäuser/-schuppen und Holzbrücken besiedelt, weshalb diese Art dort als Hausameise angesehen wird.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Größe[Bearbeiten]

C. ligniperdus gehört zu den eindrucksvollsten Ameisen Deutschlands. Zudem sind gerade durch die Größe Verhaltensmuster wie Brutpflege und Trophallaxis sehr gut zu beobachten.

Taxonomie[Bearbeiten]

Camponotus ligniperdus wurde als Camponotus ligniperda bezeichnet, siehe hierzu warum Camponotus ligniperda jetzt C. ligniperdus heißt.

Mandibel-Kampf[Bearbeiten]

C. ligniperdus hat den "Mandibel-Kampf" für sich kultiviert und weiß diesen sehr effektiv einzusetzen: Bei Angriffen hält C. ligniperdus etwas Abstand, ruckt kurz nach vorne und beißt mit den Mandibeln zu, geht dann sofort wieder auf Abstand. Zusätzlich zum Mandibel-Kampf kann vor allem bei Beute der Einsatz der Giftdrüse gut beobachtet werden. Die Major-Arbeiterinnen gelten als extrem wehrhaft, eine einzige von ihnen kann mehrere Waldameisen mit wenigen Bissen zerschneiden.

Kommunikation durch Klopfen[Bearbeiten]

Kommunikation: Klopfen bei Camponotus: Die Arbeiterinnen warnen bei Störungen durch hörbares, schnelles Trommeln mit Gaster oder Mandibeln auf hartem Untergrund

Weitere Bilder[Bearbeiten]

C. ligniperdus-Gyne mit Puppen, Larven, und Eiern:

Auf den Unterartikeln dieser Seite finden sich verschiedenste hochauflösende Makro-Fotos eines Halters einer Kolonie Camponotus ligniperdus in einem Terrarium. http://www.dkriesel.com/leisure/camponotus_ligniperdus/

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Bernhard Seifert: Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas. lutra Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Görlitz/Tauer 2007, ISBN 978-3-936412-03-1