"Gäste" von Ameisen - Schwebfliegen der Gattung Microdon: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Microdon mutabilis (Diptera, Syrphidae):''' Die Larven der Schwebfliegen-Gattung Microdon sind häufig in Ameisennestern zu finden. Die Gattung ist in Eurasien, Nordamerika und auch in Australien verbreitet. Die adulten Fliegen sind Blütenbesucher und ernähren sich von Pollen und Nektar. Ihre Eier legen sie in Ameisennestern ab. Als Ameisenwirte dienen in Europa Arten der Gattungen Formica (einschließlich Untergattung Serviformica), Lasius, Myrmica und Dolichoderus; in Australien fand ich sie in Massen bei Stigmacros.
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'''Microdon mutabilis (Diptera, Syrphidae):''' Die Larven der Schwebfliegen-Gattung Microdon sind häufig in Ameisennestern zu finden. Die Gattung ist in Eurasien, Nordamerika und auch in Australien verbreitet. Die adulten Fliegen sind Blütenbesucher und ernähren sich von Pollen und Nektar. Ihre Eier legen sie in [[Ameisennest]]ern ab. Als Ameisenwirte dienen in Europa Arten der Gattungen [[Formica]] (einschließlich Untergattung [[Serviformica]]), [[Lasius]], [[Myrmica]] und [[Dolichoderus]]; in Australien fand ich sie in Massen bei Stigmacros.
  
In den Ameisennestern trifft man die Fliegenlarven an, die Ameisenlarven nicht unähnlich sehen.
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In den Ameisennestern trifft man die Fliegenlarven an, die [[Larven|Ameisenlarven]] nicht unähnlich sehen.
Bild 1: Drei der großen Microdon-Larven; am Rücken ist deren „Herz“ als dunkler Streifen erkennbar. Sie stammen aus einem Nest von Lasius niger, von der Arbeiterinnen und ein paar Arbeiterinnen-Puppen (vorn) zu erkennen sind.
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Bild 1: Drei der großen Microdon-Larven; am Rücken ist deren „Herz“ als dunkler Streifen erkennbar. Sie stammen aus einem Nest von [[Lasius niger]], von der Arbeiterinnen und ein paar Arbeiterinnen-Puppen (vorn) zu erkennen sind.
  
 
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Bis vor wenigen Jahren galten die Microdon-Larven als harmlose Ameisengäste, so genannte Synöken, die halt mit in den Nestern lebten, geduldet werden und hauptsächlich Abfälle fressen.
 
Bis vor wenigen Jahren galten die Microdon-Larven als harmlose Ameisengäste, so genannte Synöken, die halt mit in den Nestern lebten, geduldet werden und hauptsächlich Abfälle fressen.
Erst Barr (1995) entdeckte dass die sehr langsam umher kriechenden Larven tatsächlich Räuber sind, sich von Ameisenbrut ernähren! Sie gleiten über eine Ameisenlarve, bedecken sie völlig, und fressen sie unter dem Körper.
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Erst Barr (1995) entdeckte dass die sehr langsam umher kriechenden Larven tatsächlich Räuber sind, sich von [[Brut|Ameisenbrut]] ernähren! Sie gleiten über eine Ameisenlarve, bedecken sie völlig, und fressen sie unter dem Körper.
  
 
Bild 4 (nach Barr 1995): Fliegenmaden haben üblicherweise stark reduzierte Mundwerkzeuge, oft ist nur ein Paar hakenartiger Gebilde zu erkennen. Die Microdon-Larve aber hat Kiefer, die doch stark an ein Haigebiss erinnern!
 
Bild 4 (nach Barr 1995): Fliegenmaden haben üblicherweise stark reduzierte Mundwerkzeuge, oft ist nur ein Paar hakenartiger Gebilde zu erkennen. Die Microdon-Larve aber hat Kiefer, die doch stark an ein Haigebiss erinnern!

Version vom 15. Mai 2011, 18:31 Uhr

Microdon mutabilis.jpg

Microdon mutabilis (Diptera, Syrphidae): Die Larven der Schwebfliegen-Gattung Microdon sind häufig in Ameisennestern zu finden. Die Gattung ist in Eurasien, Nordamerika und auch in Australien verbreitet. Die adulten Fliegen sind Blütenbesucher und ernähren sich von Pollen und Nektar. Ihre Eier legen sie in Ameisennestern ab. Als Ameisenwirte dienen in Europa Arten der Gattungen Formica (einschließlich Untergattung Serviformica), Lasius, Myrmica und Dolichoderus; in Australien fand ich sie in Massen bei Stigmacros.

In den Ameisennestern trifft man die Fliegenlarven an, die Ameisenlarven nicht unähnlich sehen. Bild 1: Drei der großen Microdon-Larven; am Rücken ist deren „Herz“ als dunkler Streifen erkennbar. Sie stammen aus einem Nest von Lasius niger, von der Arbeiterinnen und ein paar Arbeiterinnen-Puppen (vorn) zu erkennen sind.

Microdon Lv Lniger.jpg


Bild 2: Häufiger findet man in den Ameisennestern die charakteristischen Puppentönnchen von Microdon. Am Vorderende tragen sie ein Paar Hörnchen unbekannter Bedeutung. Am Hinterende, auf einer kleinen Erhebung, münden die Atemöffnungen. Die Puppen sind festgeklebt und die flache Unterseite ist von einem Borstenkranz umgeben.

Microdon Pup.jpg


Bild 3: Links und Mitte zwei eben aus dem Tönnchen geschlüpfte adulte Fliegen. Bei dem Tier in der Mitte sind die Flügel noch nicht entfaltet. Rechts eine Fliege mit voll entfalteten Flügeln.

Microdon P und Adult.jpg


Bis vor wenigen Jahren galten die Microdon-Larven als harmlose Ameisengäste, so genannte Synöken, die halt mit in den Nestern lebten, geduldet werden und hauptsächlich Abfälle fressen. Erst Barr (1995) entdeckte dass die sehr langsam umher kriechenden Larven tatsächlich Räuber sind, sich von Ameisenbrut ernähren! Sie gleiten über eine Ameisenlarve, bedecken sie völlig, und fressen sie unter dem Körper.

Bild 4 (nach Barr 1995): Fliegenmaden haben üblicherweise stark reduzierte Mundwerkzeuge, oft ist nur ein Paar hakenartiger Gebilde zu erkennen. Die Microdon-Larve aber hat Kiefer, die doch stark an ein Haigebiss erinnern!

Microdon Kiefer.jpg


Weiterführende Literatur

  • Barr, B. (1995): Feeding behaviour and mouthpart structure of larvae of Microdon eggeri and Microdon mutabilis (Diptera, Syrphidae). Dipterists Digest 2, 31-36.
  • Buschinger, A. (1998): Als Wolf im Schafspelz enttarnt: Die Larve der Schwebfliege Microdon. Ameisenschutz aktuell 12, 47-51. (Darin ist weitere Literatur genannt. Die Microdon-Larven und –Puppen sind in den meisten Ameisenbüchern abgebildet und beschrieben).