Verhalten von Ameisen

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Ameisen-Verhalten allgemein[Bearbeiten]

Ameisen haben wie alle Tiere, ein angeborenes, instinktives Verhalten. Dieses ist in über 100 Millionen Jahren Evolution entstanden, und es hat sich so bewährt, wie es die einzelnen Arten heute zeigen.

Anders als einige höhere Tiere (Säugetiere, Vögel, …) kann man Ameisen nicht „lehren“, darauf „dressieren“ oder daran gewöhnen, etwas zu tun, was sie nicht auch von Natur aus machen würden.

(Man spricht von „Bienendressur“. Dabei wird aber immer nur eine angeborene Lernfähigkeit genutzt: Nach wenigen Erfolgen an gelben Blüten von bestimmter Form und Größe kommen die Honigbienen immer wieder zu solchen Blüten; wenn ein Baum um 11: 00 am meisten Nektar absondert, kommen die Bienen auch an den folgenden Tagen um 11:00 zu diesem Baum).

Ameisen wissen nicht, was wir von ihnen erwarten, welches Verhalten wir uns von ihnen wünschen. Sie werden das auch niemals lernen.

Aber wir Ameisenhalter können, nein MÜSSEN(!) wissen bzw. lernen, was die Ameisen erwarten. Auch sie erwarten nichts von uns (und meistens haben sie von uns auch nichts Gutes zu erwarten!). Sie brauchen einfach bestimmte Bedingungen, um ihr normales Verhalten zeigen zu können. So ist es an uns Haltern, dafür zu sorgen, dass sich die Ameisen normal verhalten können und dürfen!

Grundlegende Verhaltensmuster:[Bearbeiten]

Verhalten gegenüber Licht und Dunkelheit[Bearbeiten]

Ameisen haben ihre Nester (mit Königin, Brut und Jungtieren) IMMER im Dunkeln, sei es in der Erde, in Holz, Pflanzengallen, oder in anderen Substraten. Selbst die aus Blättern zusammen gewebten Nester der Weberameisen sind innen nicht hell, allenfalls etwas dämmerig. Eine der wenigen Ausnahmen ist Polyrhachis muelleri (link), obwohl auch hier nur das Halbdunkel des Regenwaldes einwirken kann. Dem Licht ausgesetzt, werden Ameisen immer ihre Brut so rasch wie möglich in das nächstbeste dunkle Versteck transportieren. Von dort aus wird dann ein organisierter Umzug in ein geeignetes neues Nest vorgenommen. Sie lieben die Dunkelheit und halten sich meist dort auf.

Verhalten im Hinblick auf Luft- und Bodenfeuchte[Bearbeiten]

Jede Ameisenart hat eine bevorzugte Feuchtigkeit im Nest. Diese ist Voraussetzung und Bedingung für eine erfolgreiche Brutaufzucht, oder sogar für das Überleben von Königinnen und Arbeiterinnen.

Im Normalfall (Freiland) herrscht im Nest zumeist ein Feuchtigkeitsgradient: Oben in Bodennähe trockener, tiefer in der Erde (oder unten im Stamm-/Wurzelbereich eines Baumstumpfes) wird es feuchter. Die Ameisen tragen ihre Brutstadien in den jeweils günstigsten Bereich, wobei die gesamte Brut manchmal mehrfach am Tage von unten nach oben und wieder zurück transportiert wird. Als Halter müssen wir dafür sorgen, dass im Kunstnest ein solcher Feuchtigkeitsgradient dauernd aufrechterhalten wird, andernfalls kann die Brut verschimmeln oder vertrocknen.

Einige Ameisenarten, die in sehr kleinen Nestern leben (Temnothorax sp., Leptothorax sp.) haben nicht die Möglichkeit, etwa innerhalb einer bewohnten Haselnuss umzuziehen. Diese Arten sind hinsichtlich Feuchtigkeitsschwankungen toleranter als etwa bodenbewohnende Arten. Im Freiland haben sie jedoch die Möglichkeit, z.B. vorübergehend bei zu großer Trockenheit unter ihr Nest umzuziehen oder sogar ein paar cm tief in den Boden.

Verhalten im Hinblick auf die Temperatur[Bearbeiten]

Hier gilt Ähnliches wie im Hinblick auf die Nestfeuchtigkeit: Ein Temperaturgradient (wie in der Natur: Oben warm, weiter unten im Nest kühl) muss geboten werden, so dass die Ameisen auch je nach ihren Bedürfnissen z.B. Puppen im wärmeren, trockeneren Bereich lagern können und jüngere Larven oder Eier in tieferen, kühleren Regionen. Die Präferenzen wechseln auch in Abhängigkeit vom Jahreszyklus.

Koloniegründungs-Verhalten[Bearbeiten]

Es gibt verschiedene Varianten (siehe ausführliche Darstellung hier). Hier sei zuerst das Verhalten von selbständig gründenden Jungköniginnen genannt, die claustrale Koloniegründung betreiben. Als Beispiel soll Lasius niger dienen.

Die junge Königin streift sich unmittelbar nach dem Hochzeitsflug und nach der Begattung die Flügel ab. Sie läuft umher, oft nur für wenige Minuten, bis sie eine Stelle gefunden hat, an der sie sich rasch in den Boden eingraben, oder unter einem Holzstück bzw. Stein verstecken kann.

Sie formt einen sehr kleinen Hohlraum, in dem sie sich gerade mal umdrehen kann, und verschließt den Eingang mit der Erde, die sie aus der Gründungskammer gebuddelt hat. Der Verschluss bleibt erhalten, bis er von ihren ersten Arbeiterinnen geöffnet wird. Die Königin legt fast unmittelbar danach ein paar Eier (ca. 10-20), oft Minuten nach dem Eingraben, oder nach wenigen Tagen. Danach erfolgt keine weitere Eiablage, es sei denn, dass Nähreier zum Füttern der aus den ersten Eiern geschlüpften Larven abgelegt werden.

Sie füttert die jungen Larven hauptsächlich mit Sekreten aus den Kopfdrüsen, von Mund zu Mund. Sie beleckt Eier und Larven sehr häufig, wahrscheinlich um die Ansiedlung von Bakterien und Pilzen auf der Brut zu verhindern. Auch die Kokonpuppen werden immer wieder gewendet und beleckt. Schließlich hilft die Königin den jungen Arbeiterinnen beim Schlüpfen aus den Kokons. In der Zeit, in der die erste Brut im Puppenstadium liegt, werden einige weitere Eier gelegt. Die daraus schlüpfenden Larven können dann bereits von den ersten (Pygmäen-) Arbeiterinnen gefüttert und versorgt werden.

Weder die junge Königin allein, noch das nach Schlüpfen der Pygmäen vorhandene kleine Volk haben Tendenzen zum Nestumzug! Ein solcher ist in der Natur allenfalls eine Notreaktion. Eine Gründerkönigin mit den ersten Arbeiterinnen, oder gar die Königin allein, zwingen zu wollen, dass sie in ein Ytongnest etc. umziehen, ist falsch, weil völlig unnatürlich! Hat sie "falsch gewählt" bei der Anlage der Gründungskammer, so wird sie zumeist im Winter sterben. In der aufgezwungenen, nicht selbst ausgewählten, Gründungskammer "Reagenzglas" geschieht das ja leider oft genug. Dann stellt sich das Umzugsproblem jedenfalls nicht mehr.

Das junge Volk baut in der Regel das Nest von der Gründungskammer ausgehend weiter. Tunnel werden gegraben, zuerst in die Tiefe, so dass man zur Überwinterung in Bereiche mit etwas günstigerer Temperatur und besonders mit geeigneter Bodenfeuchtigkeit gelangen kann, dann aber auch in die Breite (z.B. unter einem Stein).

Weitere Stichpunkte[Bearbeiten]