Nestbau

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Begründung: Verlinkungen auf diese Seite fehlen/anderswo einbauen? --DmdM (Diskussion) 17:57, 22. Okt. 2013 (CEST)


Zum Nestbau von Leptothorax acervorum[Bearbeiten]

Vom Autor unterzeichnet, siehe AmeisenWiki:Unterzeichnete Beiträge.

Zeitweilig habe ich mich mit dem Bauverhalten von Ameisen befasst. Letztlich unterschied ich zwischen "destruktivem" und "konstruktivem" Bauen.

Konstruktiv ist klar das Verhalten der Waldameisen, die Nestmaterial beitragen und zu den Hügeln aufschichten. Konstruktiv sind klar auch Kartonnester und die Seidennester von Oecophylla und anderen webenden Arten (z. B. Polyrhachis muelleri).

Eher destruktiv ist das Ausheben von Erde bei Lasius niger etc., wobei der entstehende Hügel eigentlich nur den Aushub darstellt, in dem dann später weitere Gänge und Kammern ausgeräumt werden. Dagegen sind deren Blattlaus-Pavillons eindeutig "konstruktiv" erbaut.

Bei Leptothorax acervorum und anderen Holz bewohnenden Ameisen ist wohl überwiegend die destruktive Bauweise anzutreffen. Aber nicht immer oder ausschließlich!

Zumindest Nesteingänge werden fast immer mit eingefügtem Material auf den passenden, engen Durchmesser verkleinert. Tropische Leptothorax-Arten sollen dafür z. B. sogar Spinnweben einsammeln und verbauen.

Für L. acervorum habe ich einen leicht nachzubauenden Nesttyp geschaffen, an dem wir sogar weit umfangreichere konstruktive Bautätigkeit beobachten konnten (Bild 1).

Lept.ac.-Nestwall-2-web.jpg

Das Kunstnest bestand aus einer Kunststoff-Petrischale von 9 cm Durchmesser, Wandhöhe des Unterteils 2 cm. Dieses Unterteil wurde mit Modelliergips ausgefüllt bis 2 mm unterhalb des Randes. Der Gips hält die Feuchtigkeit über Wochen, Nachfeuchten durch die Deckelöffnung war bei Bedarf möglich.

In den Deckel wurde eine kleine Öffnung (3-4 mm) gebohrt, da, wo das kleine Holzstücken hinein führt. Ein längeres Stück Sperrholz erleichterte den Tieren den Zugang aus der Arena. Natürlich wurde auf den Deckel eine runde Scheibe schwarzen Papiers gelegt. Gelegentliche Wegnahme störte die Tiere kaum. Man kann nach ihrem Einzug auch eine rote Folie auflegen. Ein Ameisenvolk von für diese Art kleiner bis durchschnittlicher Größe hat innerhalb weniger Tage eine prächtige "Burgmauer" zwischen Gipsboden und Deckel errichtet! In dem größeren, flachen Hohlraum wurde ein Nestbereich passender Größe "abgemauert", mittels Sand, den die Tiere aus der Arena eintrugen. Und das bei einem fast ausschließlichen Holzbewohner und Holzwerker!

Lept.ac.Nestwall-3-web.jpg

Bild 2 zeigt dasselbe Nest in seiner Arena. Diese besteht aus einer Kühlschrank-Box von 20 x 20 x 10 cm mit dicht aufliegendem Deckel. Auch hier wurde etwa 1 cm hoch Gips eingegossen, darüber kam eine dünne Schicht Sand. Die Wände sind mit Paraffinöl dünn eingerieben (Mittels Wattestäbchen auftragen, 3-5 cm hoch vom oberen Rand abwärts, dann mittels Zellstoff, Papiertaschentuch etc. nachwischen. Es bleibt genug Öl haften, so dass die Tiere über viele Wochen nicht versuchen auszubrechen).

Im Vordergrund sind 3 "Uhrgläschen" zu sehen, die wir damals als Futterschalen benutzten. In einem ist eine halbe Mehlkäferpuppe, im zweiten ein Tropfen Honigwasser, im größeren dritten Trinkwasser. Das Futter wurde alle zwei Tage gewechselt, auch am Wochenende (!).

L. acervorum verträgt ziemlich trockene Bedingungen, aber eine Wasserstelle sollte immer vorhanden sein. Man kann ein Reagenzglas mit hinter Watte gehaltenem Wasser in die Arena legen.

Wenn das Futter zu rasch schimmelt, ist es zu feucht in der Arena. Dann kann man bei der beschriebenen Kühlschrank-Box den Deckel umdrehen, so dass dank einiger Noppen im Rand ein Lüftungsspalt offen bleibt. Andere Lösungen mit in Wand und Deckel eingeklebten Gaze-Stückchen sind natürlich ebenfalls möglich.

Ich denke, dies ist ein weiteres Beispiel und eine Anregung für eigene Studien an interessanten Ameisen unserer heimischen Fauna.

Übrigens lässt sich L. acervorum auch sehr leicht zum Nestumzug bewegen, wobei man Tandem-Rekrutierung, Tandemlauf und Trageverhalten sehr schön sehen kann.

A. Buschinger (22. Jan. 2008)


Ernteameisen:

Manche im Boden wohnende Ameisenarten haben sehr tiefe Nester, vor allem in trockenen Gebieten.

Hier kann man eine Originalarbeit von W. Tschinkel (2004) als pdf herunterladen (engl.). Es lohnt sich: Wunderbare Bilder von Nestausgüssen! http://bio.fsu.edu/~tschink/publications/2004-2.pdf

Es ist ein eindrucksvoller Bericht über das Ausgießen tiefer Bodennester mit Zahnarzt-Gips, das mühevolle Ausgraben und das Zusammensetzen der Bruchstücke zu einem Modell der Nestanlage.

Eine der dargestellten Nestanlagen ist 9 Fuß tief, also fast drei Meter.

A. Buschinger (02.Feb. 2008)