Adoption

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Bei einer Adoption werden Königinnen oder Teile einer Kolonie von einer anderen Ameisenkolonie aufgenommen. Dabei erfolgt eine Angleichung des Koloniegeruchs von mehr oder weniger großem Umfang (abhängig von Alter & Art der Ameisen).


Adoption in der Natur[Bearbeiten]

Adoptionen kommen in freier Wildbahn bei einigen Arten regelhaft vor; so werden z. B. Nester der polygynen Kahlrückigen Waldameise durch diesen Vorgang potentiell unsterblich. Bei Crematogaster scutellaris, einer ansonsten strikt monogynen Art, ergibt sich durch die Abspaltung kleiner Gruppen von Arbeiterinnen mit Brut aus einer Hauptkolonie die Möglichkeit zur Adoption von Jungköniginnen.[1]

Von weisellosen Kolonien können Königinnen aufgenommen werden, wenn die Wirkung der letzten Königin "verflogen" ist. Solche Kolonien kommen dann sowohl für eine Aufnahme weiterer Königinnen der gleichen Art als auch für eine sozialparasitische Gründung in Frage. In letzterem Fall ändert sich die Artenzusammensetzung mit dem allmählichen Absterben der Wirtsart zu Gunsten des Sozialparasiten und wird schließlich völlig von diesem übernommen. Das Ersetzen einer oder mehrerer Königinnen kann auch recht "kryptisch" und unter sonst nicht unbedingt dafür bekannten Arten geschehen.[2] Für die Wanderameisenart Dorylus molestus wurde zudem gezeigt, dass sich Arbeiterinnen nach Verlust der Königin anderen Kolonien mit Königin anschließen können.[3]

Adoption in der Ameisenhaltung[Bearbeiten]

Durch eine Adoption kann in der Haltung eine weisellose Kolonie wieder mit einer Königin versorgt werden. Hierbei kann man sich den Umstand zunutze machen, dass die Pheromone einer verstorbenen Königin spätestens nach einigen Wochengenauere Zeitspanne? keine Wirkung mehr entfalten.

Ohne menschliches Eingreifen geht eine Kolonie in diesem Zustand mit dem langsamen Absterben der Arbeiterinnen zu Grunde, evtl. wird vorher von den Arbeiterinnen für - meist männlichen - Nachwuchs gesorgt (Ausnahmen).

Vorgehen bei einer Adoption

  1. Arbeiterinnen mehrere Wochen (!) ohne Königin halten und normal weiterversorgen
  2. eine gründende Königin der gleichen Art (soweit feststellbar) besorgen
  3. beiden Parteien in der selben Arena getrennt voneinander (oder zumindest auf dem gleichen Untergrund) Auslauf gewähren, so dass sich der Umgebungsgeruch angleichen kann
  4. einen Austausch mit einzelnen Arbeiterinnen versuchen
  5. sobald 4. erfolgreich: die Abtrennung zwischen den Behausungen entfernen und beobachten, ggf. eingreifen

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ^ Bernhard Seifert: Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas. lutra Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Görlitz/Tauer 2007, ISBN 978-3-936412-03-1.
  2. ^ Wojciech Czechowski & Kari Vepsäläinen 2010: Replacement of species in wood ant colonies artificially established on islands in southern Finland; Polish Journal of Ecology 58/4, 793-799
  3. ^ Daniel J. C. Kronauer, Caspar Schöning, Patrizia d'Ettorre & Jacobus J. Boomsma 2010: Colony fusion and worker reproduction after queen loss in army ants; Proc. R. Soc. B 277/1682, 755-763; doi: 10.1098/rspb.2009.1591